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Eine Start-up-Schmiede für den Medizincampus

Laborsituation

Okt. 21. – Das Zentrum für Medizintechnologien am CTK in Cottbus soll junge Unternehmen begleiten.

Auf dem Campus des Carl-Thiem-Klinikums, dem künftigen Universitätsklinikum und größten Krankenhaus des Landes Brandenburg soll schon bis 2024 ein Zentrum für Medizintechnologien den Betrieb aufnehmen. Das Zentrum trägt den Namen Medical Accelerator (MED-ACC), dort sollen sich Start-up-Unternehmen, Spin-offs, branchenrelevante kleine und mittlere Unternehmen, sowie überregionale Unternehmen ansiedeln können. Hier sollen medizinische Innovationen in der Lausitz und für die Lausitz entwickelt werden. Dafür werden Mietflächen von etwa 1.200 Quadratmetern bereitgestellt – sowohl für Büros als auch für medizinische Werk- und Laborflächen.

Bund und Land investieren über eine Milliarde Euro

Die Umwandlung des Carl-Thiem-Klinikums (CTK) zum Universitätsklinikum erhält einen enormen Wachstumsschub. Dieser wird durch weitere Ansiedlungen und Strukturwandel-Initiativen in der Forschungslandschaft noch verstärkt. Dazu zählen beispielsweise der iCampus von Fraunhofer, Leibniz und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU C-S), das Lausitzer Zentrum für künstliche Intelligenz und der BioTecHealth Campus Senftenberg der BTU C-S. Darüber hinaus wird die „Modellregion Gesundheit Lausitz“ mit weiteren dezentralen Projekten vorangebracht. Bund und Land investieren deutlich mehr als eine Milliarde Euro in die Forschung in den Bereichen Medizin- und Biotechnologien.

Forschungsergebnisse können praktisch genutzt werden

Mit dem von der Wirtschaftsregion Lausitz (WRL) betreuten Vorhaben Zentrum für Medizintechnologien wird das zu erwartende Potenzial an Innovationen auch in die wirtschaftliche Verwertung überführt. Die für die Medizintechnik-Szene benötigten Kompetenzen wie Medizin, IT und Biotechnologie sind durch das CTK und die BTU C-S sehr gut abgedeckt.

Beratung für Start-ups

Das MED-ACC wird als eigenständige Einrichtung der Stadt Cottbus etabliert. Die geplante Investition beläuft sich auf gut 15 Millionen Euro. Die Finanzierung über das Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen wurde von der interministeriellen Arbeitsgruppe der Brandenburger Landesregierung bereits im Juni befürwortet. Zur Sicherstellung der räumlichen Nähe von Klinik und MED-ACC wird das CTK ein Grundstück auf dem Gesundheitscampus zur Verfügung stellen. Interessierte Unternehmen sollten einen Businessplan vorlegen können oder diesen innerhalb der Startphase von einem Jahr im MEDACC erarbeiten. Für allgemeine Beratungen zu Gründungs- und Finanzierungsfragen, insbesondere bei Start-ups, werden Kooperationsverträge mit bestehenden Partnern in Cottbus geschlossen, so wird man unter anderem auf die Expertise des Gründungszentrums Zukunft-Lausitz setzen.

Gesundheitslandhaus für Versorgung im ländlichen Raum

Im Rahmen der „Modellregion Gesundheit Lausitz“ werden aber auch kleinere Projekte zur Verbesserung der medizinischen und sozialen Versorgung im ländlichen Raum unterstützt. Zum Beispiel das Gesundheitslandhaus Schwarze Pumpe, das ebenfalls im Juni von der interministeriellen Arbeitsgruppe der Landesregierung bestätigt wurde. Bis 2023 werden im alten Gemeindehaus von Spremberg die Voraussetzungen für eine gute medizinische Versorgung im ländlichen Raum geschaffen.

Vorgesehen ist ein sogenannter Service-Punkt mit AGnES. Das Kürzel steht für Arztentlastende, Gemeindenahe, EHealth-gestützte Systemintervention. Praktisch verbergen sich dahinter speziell ausgebildete Krankenschwestern, die den Kontakt zu den angegliederten Hausärzten halten. Sie übernehmen entsprechend ihrer Zusatzqualifikation medizinische Behandlungen und können pflegerische Patientenbesuche allein durchführen und somit den Hausarzt entlasten. Sie verschaffen sich im Rahmen ihrer Tätigkeit einen Überblick über das häusliche Umfeld: Sind Umbauten notwendig? Ist die Versorgung mit Hilfsmitteln und Waren des täglichen Bedarfs gesichert? Wer kümmert sich um die Mahlzeiten? Wer übernimmt Hausmeister-Dienste und hilft im Haushalt? Gibt es bereits einen ambulanten Pflegedienst? Sie übernehmen auch die Aufgaben einer Sozialstation und organisieren die Nachsorge und Patientenbetreuung. Darüber hinaus sollen flexible Behandlungsräume für Sprechstunden von Fachärzten, die ihre Praxis an einem anderen Ort haben, eingerichtet werden. Das Zentrum für Medizintechnologien sieht sich an der Schnittstelle zwischen Forschung und medizinischer Versorgung.

Ein digitales Gesundheitsterminal wird telemedizinische Versorgungen mit örtlichen Hausärzten oder einer Notaufnahme vornehmen. Auch Untersuchungen wie Blutzuckermessungen, die Aufnahme von EKG-Daten, von Vitaldaten wie Gewicht, Blutdruck und Körpertemperatur sowie Früherkennungsuntersuchungen beispielsweise für Demenz und Parkinson sollen vor Ort möglich gemacht werden. Des Weiteren sind in dem Gebäude ein Therapiebereich für physio- und ergotherapeutische Behandlungen, eine Apotheke und ein Patientencafé vorgesehen. Für das Gemeindelandhaus sind Investitionen in Höhe von 2,2 Millionen Euro veranschlagt. Ein zentrales Ziel der Stadt Spremberg als Projektinitiator ist die langfristige Steigerung der Attraktivität als Wohnstandort und die Erhöhung der Identität der Bewohner mit ihrem Heimatort.

Hintergrund:

Die Modellregion Gesundheit Lausitz ist in dem am 8. August 2020 in Kraft getretenen Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen in § 17, Absatz 28 wie folgt beschrieben:
„Ein Innovationszentrum Universitätsmedizin Cottbus (IUC) soll als Kern der Modellregion Gesundheit Lausitz aufgebaut werden. Forschung, Lehre und Versorgung sollen in neuartiger Weise unter der Nutzung der Digitalisierung verknüpft und in einem „Reallabor“ für digitale Gesundheitsversorgung umgesetzt werden. Zugleich sollen die Medizinerausbildung neu strukturiert und die Gesundheitsversorgung „aus einem Guss“ neu gedacht werden.“

Quelle: “Nachrichten aus der Wirtschaftsregion Lausitz”, Herbstausgabe´21 Lausitz Magazin, WRL

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